Matrix Technology AG
06.01.2020

5 Stolpersteine bei Windows 10-Migrationsprojekten

Am 14.01.2020 stellt Microsoft den erweiterten Support und automatisierte Updates für Windows 7 ein. Betroffene Unternehmen sollten eine Windows 10-Migration nun unbedingt angehen. Aber Vorsicht - ein Windows-Update birgt einige Risiken! Erfahren Sie, welche Stolpersteine es gibt und wie Sie Ihr Projekt optimal planen.

Am 14. Januar 2020 stellt Microsoft den erweiterten Support für sein Betriebssystem Windows 7 ein. Das bedeutet nun für betroffene Unternehmen, deren Hardware noch auf diesem Betriebssystem läuft, dass ab diesem Zeiptunkt keine automatischen Aktualisierungen, Patches, Updates - also auch keine Sicherheitsupdates - mehr eingespielt werden und auch kein technischer Support für dieses OS mehr bereitgestellt wird. Darüber hinaus stellt Microsoft am 13. Oktober 2020 auch die Updates und den Support für Microsoft Office 2010 ein. Es ist also an der Zeit, sich den Themen Windows 10-Migration, Office 365, Microsoft 365 und „Moderner Desktop“, als von Microsoft empfohlene Nachfolgelösungen für Windows 7 und Office 2010, anzugehen.

Eine erfolgreiche Windows 10-Migration steht und fällt jedoch mit einem gut geplanten und strukturierten Vorgehen, denn das Migrationsprojekt selbst als auch künftig genutzte Hardware und Anwendungen, birgen einige Riskien, die vor Start des Projekt unbedingt berücksichtigt werden sollten. Die Microsoft- und Migrationsexperten der matrix technology AG haben folgende fünf häufig auftretende Stolpersteine und entsprechende Lösungen definiert.

 

1. Architektur

Im Vergleich zu den bisherigen Betriebssystemen von Microsoft, ist Windows 10 deutlich modularer aufgebaut. Einzelne Features können jetzt mit den sog. Feature Updates (siehe SAC) nachträglich hinzugefügt, verändert oder gar entfernt werden. In der Praxis bedeutet dies ein sich stetig wandelndes Betriebssystem, durch beispielsweise Group Policies, die erneut geprüft und bei Bedarf angepasst werden müssen. Somit wird Windows 10 nicht einmalig konfiguriert und installiert, stattdessen muss der User mit jedem Update ein abgespecktes Deployment inkl. entsprechender Testaufwände durchlaufen.

Der Umbau der Architektur ist jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen, daher können z.B. parallel die bisher bekannte Systemsteuerung als auch die neue Einstellungs-App weiterhin genutzt werden.

Des Weiteren bindet Microsoft vermehrt eigene Tools (z.B. den Taschenrechner) an den Microsoft Store, um diese Tools eigenständig aktualisieren zu können. Wird die Verbindung zum Store jedoch unterbrochen, um beispielsweise zu verhindern, dass sich Updates unbemerkt im Hintergrund installieren, funktionieren diese Tools nicht mehr - können also nicht mehr genutzt werden. Kann auf diese Tools nicht verzichtet werden, müssen diese nun als eigene Anwendung ausgebracht werden.

All diese Änderungen bewirken einen höheren planerischen und administrativen Aufwand, welcher genau betrachtet werden sollte um sowohl die Migration, als auch den späteren Betrieb, ohne böse Überraschungen leisten zu können.

 

2. Hardware (Refresh oder ReImage)

Vor dem Wechsel des Betriebssystems sollten Sie einen sog. Hardwareintegrationstest durchführen (lassen), um sicher zu stellen, dass Ihre aktuell genutzten Hardware-Typen für den OS-Wechsel vorbereitet bzw. künftig auch mit Windows 10 kompatibel sind. Dies betrifft v.a. Treiber, BIOS etc.

Darüber hinaus besteht keinerlei Garantie, dass beim jährlichen Feature Release (SAC) von Microsoft, also bei dem Wechsel von einem auf das nächste Windows 10 Release, die Hardware noch unterstützt wird. Es ist dementsprechend ratsam, sich frühzeitig und vor dem jeweils anstehenden Release ausreichend Informationen einzuholen, ob die genutzte Hardware auch weiterhin unterstützt wird. Das Customer Build, welches drei Monate vor der Business Freigabe veröffentlicht wird, sollte in Laborstellungen getestet werden.

Sofern sich herausstellt, dass Ihre Geräte nicht mit Windows 10 bzw. mit einem Feature Update kompatibel sind, kann ein Wechsel der Hardware notwendig sein. Ein Hardware-Wechsel kann aber auch eine Vereinfachung für den Rollout bedeuteten, da User die alten Geräte bis zum Rollout behalten können und zum Zeitpunkt X neue Hardware mit installiertem Windows 10 erhalten.

 

3. Applikationen (Applikationsupdates notwendig)

Mit der Umstellung des Betriebssystems auf Windows 10, ist es zwingend notwendig, alle für das Unternehmen relevanten Applikationen auf Windows 10 Fähigkeit zu prüfen und ggf. zu aktualisieren. Der Zeitaufwand für das Testen und ggf. Aktualisieren der Anwendungen, sollte nicht unterschätzt werden.

Folgende Herausforderungen können auf Sie zukommen:

  • Recherche und Abstimmungen mit den Herstellern: Jede Anwendung muss auf ihre Lauffähigkeit hin geprüft werden. Hierzu müssen die notwendigen Informationen z.B. über den Hersteller angefragt oder auf deren Homepage recherchiert werden.
  • Abstimmung und Beauftragung von Entwicklern: Im Falle einer unternehmerischen Eigenentwicklung muss der Entwickler mit in den Prozess einbezogen werden. Eventueller Anpassungsbedarf muss frühzeitig erkannt und beauftragt werden.
  • Erwerb von Lizenzen: Muss eine neue Version einer Anwendung beschafft werden, da die aktuell eingesetzte nicht mehr unter Windows10 funktionsfähig ist, müssen sowohl die Ressourcen als auch die Lizenzen der neuen Version beschafft werden.
  • Alternativanwendungen finden und testen: Falls eine Anwendung vom Hersteller nicht mehr weiterentwickelt wird und nicht mehr unter Windows10 lauffähig ist, muss eine Alternativanwendung - welche die aktuelle ersetzen soll - gefunden werden. Dieser Vorgang kann sehr zeitintensiv sein, da die Alternativanwendung ausgiebig darauf getestet werden muss, ob sie denn auch für alle Einsatzgebiete der Funktionsumgang gegeben ist.

 

4. Prozesse (SAC)

Microsoft stellt mit Windows 10 nicht nur ein neues Betriebssystem bereit, auch die Art des Vertriebs wird geändert. Sind bisher alle 3-5 Jahre neue Betriebssysteme wie Windows XP, Windows Vista und Windows 7 veröffentlicht worden, so soll Windows 10 das letzte Windows OS sein. Aktualisierungen sollen nun vielmehr als Windows as a Service veröffentlicht werden. Zweimal jährlich (Semi Annual Channel – SAC) werden Feature Updates veröffentlicht, wobei der Frühjahrs-SAC 18 Monate und der Herbst-SAC 30 Monate Support Zeitraum ab Veröffentlichung bietet.

Um nicht aus dem Support zu laufen, ist ein in regelmäßigen Abständen (z.B. jährlich das Herbst-Update) ausgebrachtes Feature Update notwendig. Um nicht jedes Jahr ein neues Migrationsprojekt aufzusetzen und auch z.B. Lerneffekte nicht zu verlieren, ist es notwendig, einen Prozess zu entwickeln, auf dessen Basis das jährliche Update in der Linienorganisation erfolgen kann.

Für einen solchen auf Windows 10 zugeschnittenen Release und Deployment Prozess sind bei der Entwicklung einige Punkte zu bedenken:

  • Ist die Linienorganisation bereit?
  • Sind benötigte Tools und dedizierte Ressourcen wie ein Releasemanagement zur Steuerung und ein Testmanagement vorhanden?
  • Jedes Jahr sind die für die einzelnen Applikationen verantwortlichen Mitarbeiter über ein neu anstehendes Windows OS als Ausgangsbasis zu informieren sowie Informationen über ggf. neu vorhandene Applikationsversionen einzuholen.
  • Die neuen Applikationen im speziellen sowie die restlichen unangetasteten Apps müssen gegen den neuen Kern, das Microsoft OS, vertestet werden.
  • Bei einem anstehenden Hardware Wechsel wird nicht automatisch jeder Microsoft SAC unterstützt.
  • Mit dem Wechsel auf Windows 10 wird eventuell vorhandene Security Software durch Microsoft Bordmittel ersetzt. Auch hier kann es einen Bedarf zur Anpassung der Beauftragungsprozesse geben.

Eine erfolgreiche Prozessentwicklung muss aber durch die Organisation unterstützt werden – ohne das Commitment der Linie, ggf. neue Tasks und damit neue Aufwände zu tragen, kann der Prozess nicht gelebt werden.

 

5. User Experience

Mit der Migration auf Windows 10 ändert sich auch das Look and Feel der Benutzeroberfläche. Im extremsten Fall kann sich diese Tatsache zu einem Stolperstein entwickeln, insbesondere, wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht mit gezielten Kommunikationsmaßnahmen darauf vorbereiten.

  • Startmenü: Unter Windows 10 dürfen sich die Nutzer wieder über ein Startmenü freuen. Das Kachelkonzept, welches erstmalig mit Windows 8 eingeführt wurde, gibt Microsoft dennoch nicht komplett auf. Bei Windows 10 setzt der Hersteller auf eine Kombination aus beidem: auf der linken Seite ist, ähnlich wie bei Windows 7, eine automatische Sortierung aller Apps mit Buchstabenregistern zu finden. Neu wird für viele das Kachelmenü auf der rechten Seite sein, welches sich harmonisch in das Startmenü einfügt.
  • Suche: Auf den ersten Blick scheint auch die Suche mit der Migration verloren gegangen zu sein – das ist aber natürlich nicht der Fall. Nach Aufruf des Startmenüs kann man einfach drauf los tippen und es wird eine Suchanfrage an den neuen Suchassistenten Cortana gestellt. Cortana reagiert sowohl auf Sucheingaben, die über die Tastatur eingegeben werden, als auch auf Sprachkommandos (sofern aktiviert).
  • Dateimanagement: Mit Windows 10 durfte sich auch der zentrale Dateimanager, der Windows-Explorer, über eine Modernisierung freuen. Er ist mit einer Ribbon-Leiste ausgestattet, wodurch der direkte Zugriff auf Ansichts- und Verwaltungsfunktionen vereinfacht und effizientes Dateimanagement ermöglicht wird. Zudem gibt es zwei neue Dokumentenbibliotheken. Hinzu kommt, dass man mit Windows 10 kostenfreien Speicherplatz beim Microsoft Cloud-Speicher OneDrive erhält. Die entsprechenden Ordner werden ebenfalls im Windows-Explorer angezeigt.

Insgesamt erscheint die Nutzeroberfläche unter Windows 10 flach, aufgeräumt und modern. Im ersten Moment kann dies für ihre Mitarbeiter sicherlich ungewohnt sein. Geben Sie ihnen deshalb ein kleines Merkblatt mit der Einführung an die Hand, welches die wichtigsten Änderungen zusammenfasst. So fällt es den Nutzern garantiert leichter, sich auf die neue Oberfläche einzulassen, was sich nachhaltig positiv auf die User Experience und Mitarbeiterzufriedenheit auswirken wird.

Alle Informationen für eine erfolgreiche Windows 10-Migration finden Sie hier:

Windows 10-Migration